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CAC und Customer Lifetime Value für Online-Shops

Wie viel darf ein Neukunde kosten? So berechnen Sie CAC und Customer Lifetime Value für Ihren Shop aus Bestelldaten – mit Kohorten, Beispielen und Grenzen.

adthief.ai · · 4 Min. Lesezeit

Ein Neukunde darf so viel kosten, wie er Ihnen über seine Kundenbeziehung an Deckungsbeitrag bringt, abzüglich des Gewinns, den Sie behalten wollen. Dafür brauchen Sie zwei Zahlen: den CAC (Customer Acquisition Cost, was ein neuer Kunde an Werbung kostet) und den Customer Lifetime Value (CLV, was er Ihnen über die Zeit einbringt) – und Sie sollten beide aus Ihren eigenen Bestelldaten rechnen, nicht aus Faustregeln.

Wer nur auf den ROAS der ersten Bestellung schaut, unterschätzt Marken mit vielen Wiederkäufern und überschätzt Marken, deren Kunden nie zurückkommen. Dieser Beitrag zeigt, wie Sie beide Zahlen ermitteln und was Sie daraus für Ihr Werbebudget ableiten.

CAC berechnen

CAC = Werbekosten ÷ Zahl der Neukunden im gleichen Zeitraum.

Wichtig ist das Wort „Neukunden“. Teilen Sie nicht durch alle Bestellungen, sonst wird der CAC durch Bestandskunden geschönt.

Beispiel:

  • Werbekosten im Oktober (alle Kanäle): 20.000 €
  • Bestellungen im Oktober: 900, davon Erstbestellungen laut Shop: 500
  • CAC = 20.000 € ÷ 500 = 40 €
  • Zum Vergleich: Kosten pro Bestellung = 20.000 € ÷ 900 ≈ 22 €. Diese Zahl wirkt besser, sagt aber wenig über Wachstum.

Zwei Varianten, die Sie unterscheiden sollten:

  1. Blended CAC: alle Werbekosten ÷ alle Neukunden, egal woher sie kamen. Ehrlich, weil Zuordnung keine Rolle spielt.
  2. Bezahlter CAC pro Kanal: Meta-Kosten ÷ von Meta gemeldete Neukunden. Nützlich für die Steuerung, aber abhängig vom Zuordnungsmodell.

Ob Sie Kosten für Agentur, Creator und Tools in den CAC einrechnen, ist eine Frage der Definition. Für die Entscheidung „Lohnt sich mehr Budget?“ reichen die reinen Werbekosten. Für die Frage „Verdienen wir mit Neukunden Geld?“ gehören die anderen Kosten dazu.

Customer Lifetime Value: die einfache Rechnung

Die einfachste Formel:

CLV = durchschnittlicher Warenkorb × Bestellungen pro Kunde × Deckungsbeitragsmarge

Beispiel:

  • durchschnittlicher Warenkorb: 50 € netto
  • Bestellungen pro Kunde in 12 Monaten: 1,8
  • Deckungsbeitragsmarge nach Wareneinsatz, Versand, Zahlung und Retouren: 50 %
  • CLV (12 Monate) = 50 € × 1,8 × 0,5 = 45 €

Rechnen Sie den CLV immer als Deckungsbeitrag, nicht als Umsatz. Ein Kunde mit 90 € Umsatz bringt Ihnen bei 50 % Marge nur 45 €, und nur daran messen Sie den CAC. Wie Sie die Marge sauber aufstellen, steht in ROAS berechnen.

Legen Sie außerdem einen Zeitraum fest: 6, 12 oder 24 Monate. Ein „Lebenszeit“-Wert über zehn Jahre ist für Budgetentscheidungen wertlos, weil Sie so lange nicht auf Ihr Geld warten können.

Besser: CLV nach Kohorten

Die Durchschnittsformel hat einen Haken: Sie mischt alte Kunden mit vielen Bestellungen und neue Kunden, die erst einmal gekauft haben. Genauer ist eine Kohortenauswertung: Sie gruppieren Kunden nach dem Monat ihrer ersten Bestellung und verfolgen, wie viel Deckungsbeitrag jede Gruppe über die Zeit bringt.

Beispiel einer Kohorte (alle Werte erfunden zur Illustration):

Kohorte JanuarDeckungsbeitrag je Kunde, kumuliert
Erstbestellung25 €
nach 3 Monaten32 €
nach 6 Monaten38 €
nach 12 Monaten45 €

So sehen Sie, wann ein Kunde Ihren CAC zurückverdient hat. Bei einem CAC von 40 € wäre das in diesem Beispiel nach etwa neun bis zwölf Monaten der Fall.

Die Daten dafür liefern die meisten Shopsysteme: Shopify bietet Kohortenberichte in der Analyse, bei anderen Systemen hilft ein Export der Bestellungen mit Kunden-ID und Datum und eine Tabelle. Die Berichtsnamen ändern sich, prüfen Sie im Analysebereich Ihres Systems.

Das Verhältnis CLV zu CAC

Viele Beiträge nennen ein Verhältnis von 3:1 als Ziel. Diese Zahl ist eine verbreitete Faustregel, kein Gesetz. Sinnvoller ist es, drei Fragen zu beantworten:

  1. Ist der CLV (als Deckungsbeitrag) größer als der CAC? Wenn nicht, verlieren Sie mit jedem Neukunden Geld.
  2. Wie lange dauert es, bis der CAC zurückverdient ist (Payback)? Je kürzer, desto weniger Kapital brauchen Sie.
  3. Bleibt nach Werbung genug für Fixkosten und Gewinn? Gehälter, Lager und Software müssen auch bezahlt werden.
SituationWas es bedeutetWas Sie tun können
CLV deutlich über CAC, kurzer PaybackWerbung ist profitabelBudget erhöhen, siehe Meta Ads skalieren
CLV über CAC, Payback über 12 Monateprofitabel, aber kapitalintensivLiquidität planen, Wiederkauf beschleunigen
CLV knapp über CACkaum SpielraumMarge oder Warenkorb verbessern, Creatives testen
CLV unter CACVerlust je KundeBudget senken, Angebot und Landingpage prüfen

Wie Sie den CLV erhöhen

Werbung senkt den CAC nur bis zu einem gewissen Punkt. Oft ist der größere Hebel, mehr aus jedem Kunden zu holen:

  • E-Mail und SMS nach dem Kauf: Anwendungstipps, Nachkauf-Erinnerung zum richtigen Zeitpunkt (z. B. wenn eine Packung typischerweise aufgebraucht ist), passende Ergänzungsprodukte.
  • Abo oder Spar-Abo für Verbrauchsprodukte – mit klarer, einfacher Kündigung. Für Verträge im Onlinehandel gibt es in Deutschland dazu gesetzliche Vorgaben (etwa den Kündigungsbutton); lassen Sie Ihr Abo-Modell rechtlich prüfen.
  • Bundles und Mengenrabatte, die den Warenkorb erhöhen, ohne die Marge zu stark zu senken.
  • Gutes Erlebnis nach dem Kauf: schnelle Lieferung, gute Verpackung, freundlicher Service. Das klingt weich, wirkt aber direkt auf die zweite Bestellung.

Grenzen dieser Rechnung

  • Junge Shops haben noch keine 12-Monats-Daten. Arbeiten Sie dann mit vorsichtigen Annahmen und rechnen Sie nach, sobald echte Kohorten vorliegen.
  • Saison: Kunden aus dem Weihnachtsgeschäft verhalten sich oft anders als Kunden aus dem Frühjahr. Vergleichen Sie Kohorten aus ähnlichen Monaten.
  • Rabattkunden: Wer über einen hohen Rabatt kam, kauft oft seltener zum vollen Preis nach. Trennen Sie, wenn möglich, Kohorten nach Erstangebot.
  • Zuordnung: Der bezahlte CAC pro Kanal hängt vom Zuordnungsmodell ab. Für strategische Entscheidungen ist der Blended CAC verlässlicher.

Der nächste Schritt

Mit CAC und CLV wissen Sie, wie viel ein Neukunde kosten darf. Im nächsten Schritt wird daraus ein Monatsbudget: Lesen Sie Werbebudget planen für Online-Shops. Oder rechnen Sie es mit uns gemeinsam für Ihren Shop durch, im kostenlosen Ad Review: Termin buchen. Das Gespräch führen wir auf Englisch.